Jann-Hendrik Ubben: Auszubildender mit Benzin im Blut
Wie erfolgreich ein Auszubildender von Volkswagen im Rennsport sein kann, hat Jann-Hendrik Ubben längst bewiesen. Der 19jährige angehende Zerspanungsmechaniker ist nicht nur der Pro Talent Sieger 2009, im selben Jahr hat er sich auch im Volkswagen Polo Cup erfolgreich geschlagen und im Volkswagen Scirocco R-Cup 2010 ebenfalls reüssiert. Sportlich und beruflich kann er schon auf jede Menge Erfahrung mit Ideallinie, Kurvenlage und Beschleunigung zurückblicken.
„Jann-Hendrik, was ist ein 'ProTalent'?“ „Ein ProTalent ist der Sieger eines Rennsport-Wettbewerbs für Auszubildende und duale Studenten von Volkswagen. Eigentlich lerne ich ja hier in Emden bei Volkswagen Zerspanungsmechaniker. Aber da ich schon mit 13 Jahren Kartrennen gefahren bin und dann hier von ProTalent gehört hatte, habe ich mich gleich beworben.“
„Wie läuft der Wettbewerb ab?“ „Der Wettbewerb findet einmal pro Jahr statt und wird von der Volkswagen Coaching und Volkswagen Motorsport organisiert. Das Auswahlverfahren besteht aus mehreren Stufen. Es fängt an mit Rennen auf Zeit an Fahrsimulatoren, die in der Berufsausbildung der Standorte aufgestellt werden. Mit mir haben mehr als 500 Leute teilgenommen. Die besten Bewerber kommen dann zu einem zweitägigen Test. Unter den Augen von Motorsportexperten machen sie Geschicklichkeitsübungen, müssen zeigen, wie fit sie körperlich sind und dass sie fahren können. Für die Besten der Besten gibt es dann noch Fahrtrainings in Oschersleben und Besuche bei Cup-Rennen, bevor der Sieger unter ihnen ausgewählt wird.
Bei mir war es so, dass ich während des Auswahlverfahrens meine ersten Erfahrungen auf einer richtigen Rennstrecke gemacht habe. Vom Gesamtbild her habe ich von allen Kandidaten am besten abgeschnitten. Damit war ich das ProTalent und hatte eine Saison im ADAC Volkswagen Polo Cup sicher. Dort habe ich so gut abgeschitten, dass ich glücklicherweise noch für eine weitere Saison Unterstützung bekommen habe und in diesem Jahr im ersten Volkswagen Scirocco R-Cup mitfahren durfte.
„Was ist das Besonders am Scirocco-Cup?“ „Der Volkswagen Scirocco R-Cup ist die neue Partnerserie der Deutschen Tourenmeisterschaft. Es gibt neun Rennen an sieben Wochenenden. Motorsport-Neulinge wie ich treten dabei gegen erfahrene Rennfahrer und PS-Legenden an. Zum Beispiel auf dem Nürburgring, in Oschersleben und in Brands Hatch in England. Die Fahrer sitzen im Cockpit von Rennversionen des Scirocco R mit Biogas-Antrieb. Mit dem 'Push-to-pass-Knopf' kann man kurzfristig die Leistung um 50 PS erhöhen, um zum Beispiel Überholmanöver zu starten oder Attacken zu parieren. Pro Rennen darf man den Knopf aber nur ein paar Mal drücken. Man muss also sehr taktische Denken.“ .
„Ist es nicht eine große Doppelbelastung, eine Ausbildung zu machen und gleichzeitig Rennen zu fahren?“
„Am Anfang war das gar nicht so einfach. Aber mit der Volkswagen Coaching und Volkswagen Motorsport habe ich erstklassige Partner an meiner Seite. Die unterstützen mich richtig gut. Das ist wichtig, denn in der Berufsausbildung dürfen die Noten natürlich nicht abfallen. Letztendlich bin ich aber mit meinem Stammausbilder und meinen Betreuern von der Volkswagen Coaching zu dem Ergebnis gekommen, dass mich ProTalent auch im Berufsleben weitergebracht hat: Die Erfahrung, die ich im Motorsport gesammelt habe – etwa wie man sich auf ein Rennen vorbereitet, sich nur auf eine Sache konzentriert oder Wichtiges von Unwichtigem trennt –, kann ich auch mit ins Berufsleben nehmen, zum Beispiel wenn wir eine Prüfung schreiben. Dadurch bin ich persönlich und in meiner Ausbildung gewachsen und habe einen riesigen Schritt gemacht.“
„Muss man nicht schon ein großes Maß an Können und Erfahrung mitbringen, wenn man bei ProTalent mitmachen will?“ „Ein gewisses Talent muss man auf jeden Fall mitbringen. Aber Volkswagen sucht ja keine fertigen Fahrer. Das Unternehmen sucht Leute, die Potenzial haben und bereit sind, an sich zu arbeiten. Man muß sich weiterentwickeln wollen, Informationen aufnehmen und umsetzen können.“
„Lernfähigkeit ist also wichtig?“ „Genau. Das ist ja auch in der Ausbildung so. Letztlich müssen aber auch alle anderen Dinge stimmen. Die Familie zum Beispiel muss mitziehen, und natürlich muss es auch im Beruf gut laufen.
„Wie sieht es damit bei Ihnen aus?“ „Super. Ich lerne ja Zerspanungsmechaniker, und es macht mir einfach Freude so präzise zu arbeiten, wie es nur geht. Wir arbeiten auf den Tausendstel Millimeter genau. Da legt Volkswagen auch sehr großen Wert drauf. Man muss wirklich absolut exakt arbeiten. Das gefällt mir, ebenso wie die Menschlichkeit unter den Kollegen. Wirklich ein erstklassiges Klima. Ich habe mit meinem Betreuer darüber auch schon gesprochen und der hat gesagt: ‚Du klingst immer so, als ob du jeden Tag in den Urlaub fährst.’ Ganz so ist es natürlich nicht, aber ich fühle mich pudelwohl bei Volkswagen.“