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  • Carmen Hänsel – mit Berufserfahrung bei Volkswagen eingestiegen und Personalerin von ganzem Herzen

     

    "Trinken Sie einen Tee?" Wer mit Carmen Hänsel einen Termin hat, kommt kaum umhin, das Angebot anzunehmen. Mitten im Automobilwerk serviert die Personalleiterin das Heißgetränk in zarten, weißen Schalen. "Wellenspiel" heißt das feine, reliefartige Dekor. Das passt zu Carmen Hänsels Berufsweg. Denn dass sie einmal im Personalbereich eines Automobilkonzerns Karriere machen würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt.

    Ursprünglich arbeitete sie als junge Ingenieurin für den VEB Robotron. Ihr erster Auftrag damals, 1986: die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen. Die gebürtige Kamenzerin hatte an der TU Dresden Arbeitswissenschaften studiert, Schwerpunkt Arbeitsingenieurwesen. Schon während ihrer Studienzeit kam das erste von später zwei Kindern. Das Studium hat sie dennoch in der Regelstudienzeit abgeschlossen. "Das hat nur geklappt, weil ich meine Eltern, Schwiegereltern und meinen Mann im Rücken hatte", berichtet sie.

    Als Carmen Hänsel 1989 wieder in den Beruf einsteigen wollte, hatte sich die Welt gedreht: Die Mauer war gefallen, die DDR befand sich in Auflösung, Ausbildungen und Berufserfahrungen waren vielfach auf einmal nicht mehr gefragt. Carmen Hänsel orientierte sich neu: "Ich habe erst einmal einen Kurs ,Einführung in die soziale Marktwirtschaft’ belegt. So etwas kannten wir DDR-Bürger ja gar nicht", berichtet sie. Dann sattelte sie um. Bei der Commerzbank bewarb sie sich als Firmenkundenbetreuerin – und bekam die Stelle nicht. "Das war mein Glück!", sagt sie heute: "Mit diesem Beruf wäre ich unglücklich geworden."

    Stattdessen bot ihr der damalige Personalchef eine Traineestelle im Personalwesen an. "Dem Mann bin ich noch heute dankbar", sagt Carmen Hänsel, denn er habe sie an die Personalarbeit herangeführt.

    Sie fing also noch einmal ganz von vorne an. Die Mutter von zwei kleinen Kindern ging für die Dauer der Ausbildung, 6 Monate, nach Westdeutschland, Mann und Kinder blieben in in der Heimat. Telefonanschlüsse waren damals in Ostdeutschland noch rar, Handys gab es kaum. "Das war eine große Belastung für die ganze Familie und es gab Tränen auf allen Seiten, aber es war auch eine tolle Chance. Und ich wollte sie nutzen!"

    Einen guten Job zu machen und dafür Anerkennung zu erhalten, war ihr Ziel. Wieder hat sie sich ’reingekniet und durchgehalten. Gemeinsam mit dem Personalchef hat sie dann den Personalbereich der Commerzbank in Dresden aufgebaut. Carmen Hänsel war im Westen angekommen – und in ihrem Traumberuf: "Ich bin Personalerin aus Leidenschaft", sagt sie heute.

    Zum 1. April 2000 übernahm Carmen Hänsel die Leitung des Bereiches Personal in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden. Hier war sie in einer Schlüsselposition. Denn so kurz nach der Wende brachten viele Bewerberinnen und Bewerber aus dem Osten unstete Berufskarrieren mit. Carmen Hänsel: "Man musste diese Biografien verstehen. Wer nach der Wende viermal den Arbeitgeber gewechselt hat, ist nicht zwangsläufig ein ‚Jobhopper’. Es war damals ganz wichtig, den jeweiligen Menschen mit seinem Weg in seine Zeit einzuordnen und einschätzen zu können, welche Rolle die Umstände der Zeit gespielt haben." Aufgrund ihrer regionalen Herkunft, ihrer Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und der Nachwendezeit konnte sie das sehr gut.

    Auch heute noch sieht sie das als den Kern der individuellen Personalarbeit: den Menschen in seinem Umfeld zu sehen, sich mit seiner persönlichen Story zu befassen und ihm gerecht zu werden. "Das kostet oft Zeit, es berührt einen, aber das ist es, was unsere Personalarbeit ausmacht", ist sie überzeugt.

    Ende 2008 ging Carmen Hänsel dann zu Volkswagen nach Wolfsburg. Beim Abschied aus der Gläsernen Manufaktur machten ihr einige Mitstreiter aus dem Kreis der Kollegen und Mitarbeiter ein besonderes Geschenk: Meißner Porzellan, das Tee-Service "Wellenspiel". Heute leitet sie bei Volkswagen jenen Personalbereich, der die Volkswagen-IT betreut. Sie hat Karriere gemacht, ihren Wurzeln aber ist sie treu geblieben. Noch immer fährt sie jedes Wochenende nach Radebeul bei Dresden zurück, wo die Familie weiterhin lebt. Was würde sie jungen Frauen raten, die Erfolg haben wollen: "Nie Angst vor Neuem zu haben, sich immer weiter orientieren und immer bereit sein, dazuzulernen!"

     

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